Was ist eigentlich das Judentum?

Das Judentum ist eine monotheistische Religion. Es ist aber nicht nur eine Religion, sondern vor allem eine Lebensweise, die beinhaltet, dass sich ein Jude mit seinen Gedanken und Taten den ganzen Tag über, vom Aufwachen bis zum Schlafengehen, nach G’tt * und seinen Geboten und Verboten richtet.

 

Was ist eine Mizwa?

Eine Mizwa ist ein Gebot, das in der Tora steht oder das von den Rabbinern vorgeschrieben wurde. Es ist eine gute Tat oder eine gute Handlung und wird als Gegenteil einer Sünde bezeichnet. (...) Jede Mizwa, die wir am Tag vollbringen, bedeutet, dass wir uns nach G’tt richten. (...)

 

Wie definiert sich das Judentum als eine monotheistische Religion?

Eine monotheistische Religion zeichnet sich dadurch aus, dass an nur einen einzigen G’tt geglaubt wird. Die Juden glauben an einen immateriellen G’tt, der die Welt erschaffen hat, wie es in der Tora steht (Genesis 1,1-2): „Im Anfang schuf G’tt Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, ... und G’ttes Geist schwebte über dem Wasser.“ (...)

Das Wort Tora kann mit Bibel oder mit Lehre übersetzt werden, aber gleichzeitig bezeichnet es andere Begriffe. Zunächst steht Tora im engeren Sinne nur für die fünf Bücher Mosche, im weiteren Sinne ist Tora die Bezeichnung sowohl für die fünf Bücher Mosche, als auch für die Schriften der Propheten und die Hagiographen. All diese Schriften bilden zusammen das, was unsere Gelehrten „die schriftliche Tora“ oder „schriftliche Lehre“ nennen.

Im Gegensatz zur schriftlichen Tora gibt es die mündliche Tora (Lehre), die die Auslegung der fünf Bücher Mosche darstellt. Dieser Teil heißt der Talmud.

Eine weitere Bedeutung von Tora ist die Torarolle selbst, auf der die fünf Bücher Mosche geschrieben stehen.

Oft wird der Monotheismus mit Awraham assoziiert und als G’tt Awrahams gesehen, da Awraham der erste Mensch war, der die Existenz G’ttes in einem heidnischen und vom Götzendienst geprägten Umfeld anerkannte. Awraham wurde also der erste G’ttesgläubige und G’ttesdiener.

Obwohl sich der Glaube an G’tt auch durch den Glauben an seine Tora und an den Propheten Israels verwirklicht, gibt es keine Dreifaltigkeit, noch gibt es einen geteilten Glauben oder einen Vermittler. G’tt ist G’tt und nur Er allein ist würdig, dass man an Ihn glaubt und zu Ihm betet. Die Frage nach dem Glauben an G’tt wurde von Maimonides in seinen dreizehn Glaubensartikeln zusammengefasst. Maimonides identifiziert G’tt als Schöpfer der Welt. (...)

 

Wie passt der Glaube an den Messias mit dem Glauben an G’tt zusammen?

Das Kommen des Messias gehört zum Ziel der Schöpfung der Welt.

Jeder Mensch ist frei, Gutes oder Böses zu tun, und der Messias wird in dem Moment, in dem er kommen wird, die Welt und die Menschheit erlösen. Dann wird G’tt den dritten Tempel auf Erden errichten, die Menschheit wird in perfekter Harmonie zusammenleben, und jeder wird G’tt aufrichtig dienen. Die Welt, wie wir sie kennen, mit all ihrem Leid, ist eine Vorbereitung auf die künftige Welt und auf das künftige Leben mit dem Messias.

 

Wann wird der Messias kommen?

Es gibt keinen bekannten Zeitpunkt für die Ankunft des Messias, aber wir erwarten ihn jeden Tag. (...)

 
* [der Name G’ttes wird übrigens im religiösen Judentum aus Respekt vor dem Schöpfer nicht ausgeschrieben, Anm.d. Red.]
 aus: Marc Stern, Was ist Judentum? Die häufigsten Fragen und ihre Antworten, Frankfurt am Main 2001
 
 

Artikel aus Offenburger Tageblatt, 31. Oktober 2022: